Abschied von Armenien

Den Abschied von Armenien nahmen wir in Jerewan, seiner Hauptstadt. Wir hatten einen ganzen Tag zur freien Verfügung. Auf unserem Programm war nochmals „die Kaskade“ mit ihren Kunstwerken; ein unterirdisches Einkaufszentrum, wo historische Musikinstrumente ausgestellt sind; die Fußgängerzone; das Sergei Parajanov Museum; eine Moschee und die U-Bahn. Jerewan hat genau eine U-Linie, und die sind wir abgefahren. Der Heimflug nach Wien fand leider noch vor dem Sonnenaufgang statt, sodass die Fotos (bei wenig Licht gemacht) technisch suboptimal sind, mir gefallen sie aber trotzdem. Diese Reise wird mir mit Sicherheit als eine meiner schönsten in Erinnerung bleiben!

Kloster Norawank

Kloster Norawank heißt auf Armenisch „Neues Kloster“ und befindet sich in der Schlucht des Flusses Amaghu. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehört zu den berühmtesten touristischen Zielen Armeniens. Der Klosterkomplex selbst besteht aus zwei Kirchen, einem Gavit (Vorhalle), einer Kapelle und vielen Chachkars (Kreuzsteine). Die Lage des Klosters ist einzigartig, und der Ausblick über die Schlucht wunderschön! Ein kleines Stück sind wir in der Schlucht gewandert – sehr angenehm und mal nicht anstrengend.

Tempel von Garni

Unsere nächste größere Wanderung führte uns entlang des Flusses Azat zum Tempel von Garni. Der Aufstieg vom Flusstal zum Hochplateau, auf dem der Tempel steht, war sehr anstrengend, aber durchaus lohnend. Unterwegs gab es großartige Felsformationen zu sehen, bizarre Basaltfelsen, die wie Orgelpfeifen aussehen. Auf den 3 letzten Fotos seht ihr das Flusstal und die Felsformationen. Der Tempel selbst stammt aus römischer Zeit, allerdings gibt es mehrere Versionen über das genauere Entstehungsdatum. Das Original wurde jedenfalls zerstört und erst Anfang des 20. Jahrhunderts ausgegraben. Der Wiederaufbau des Tempels fand von 1969 bis 1975 statt. Bei der Ankunft oben im Dorf konnten wir uns am frischen armenischen Brot und sonstigen armenischen Spezialitäten laben.

Kloster Geghard

Der Blick in der Früh aus unserem Hotelzimmer in Jerewan war schon viel versprechend – der Berg Ararat lag deutlich sichtbar in der klaren Morgenluft! Zum Kloster Geghard fuhren wir nach Osten, in das Azat-Tal. Das Kloster selbst liegt in einer Schlucht am Oberlauf des Azat, und wurde vermutlich im 4. Jahrhundert gegründet. Es ist ein Höhlenkloster, in dem Räume auch in die Felsen gehauen wurden. Der vollständige Name des Klosters Geghard lautet Geghardavank, was „Kloster zur heiligen Lanze“ bedeutet. Der Name soll auf eine Legende zurückgehen, der zufolge eine Lanze des Apostel Thaddäus im Kloster versteckt worden ist. Die Lanze gibt es tatsächlich, und sie ist im Museum von Etschmiadsin ausgestellt. In einer Felsenkirche des Klosters, im oberen Gawit (Vorhalle), werden kleine Konzerte für die Touristen gegeben. Wir hörten mehrere sakrale Volkslieder von einem ausgezeichneten Vokal-Ensemle. Das war ein großartiges Erlebnis für mich, die 5 Stimmen in dieser herrlichen Kirche!

Kloster Chor Virap

Unsere Reise nähert sich dem Ende zu. Von Goris ging es wieder in Richtung Norden, nach Jerewan. Unterwegs besuchten wir das Kloster Chor Virap. Wikipedia: „Der Legende zufolge sperrte König Trdat III. im Jahre 288 n. Chr. auf der kleinen Anhöhe inmitten der Ebene des Araxtals Gregor den Erleuchter in eine Höhle ein und hielt ihn dort 13 Jahre lang gefangen, um ihn vom christlichen Glauben abzubringen. Da die Folter Gregor nicht beugen konnte, und dieser den König von einer als unheilbar angesehenen, entstellenden Hautkrankheit heilte, ließ sich Trdat III. mit seiner Familie und dem Hof im Jahre 301 taufen und verfügte, dass die Armenier – als erstes Volk in der Geschichte – das Christentum als Staatsreligion annahmen.“ Hier also nahm das Christentum als Staatsreligion seinen Anfang! Chor Virap liegt in nächster Nähe zum Ararat, dem Heiligen Berg der Armenier, der sich aber hinter Stacheldrahtzaun auf türkischem Boden befindet. Für gläubige Armenier ist dieses Kloster das wichtigste des ganzen Landes. Gleich mehrere Hochzeiten wurden dort gefeiert.

 

Von der Stadt Goris zum Kloster Tatew

Unser nächstes Hotel war in der Stadt Goris, die ich am frühen Morgen ein wenig mit meiner Kamera durchstreifte. Danach ging es zum berühmtesten Kloster des Landes – zum Kloster Tatew aus dem 9. Jahrhundert. Seit 2010 kann das Kloster mit der Seilbahn Tatev in nur 11 Minuten erreicht werden. Sie ist mit 5750 Metern die längste mit einem durchgehenden Tragseil gebaute Pendelbahn der Welt. Auch wir sind mit ihr über die Schlucht zum Kloster geschwebt, und ihr seht auch Fotos, die aus der Gondel aufgenommen wurden. Zu dem eher klein wirkenden Kloster unten in der Schlucht sind wir auf einem alten Pilgerweg gewandert (eigener Beitrag). Sowohl Tatew, die Wanderung selbst, als auch das verlassene Kloster im Tal haben uns sehr gut gefallen!

Zorakarer – das armenische „Stonehenge“

Zorakarer, auch Karahundsch genannt, ist ein bronzezeitliches Gräberfeld nahe der Stadt Sissian. Hier befinden sich ca. 30 Kammergräber, weiters Mauerreste einer Siedlung und 223 aufrecht stehende Felsbrocken (Megalithe). Etwa 40 dieser Felsbrocken aus Basalt bilden einen Kreis um das zentrale Steinkammergrab – ähnlich dem Stonehenge. Manche Megalithe weisen ein Loch auf, ob zum Transport gedacht oder für etwas ganz anderes ist unbekannt. Auf den letzten Fotos seht ihr einen Traktor, Schafe auf der Straße und die Gasleitung – diese Gasleitung durchzieht ganz Armenien, jedes Dorf und jede Stadt. Wir konnten es nicht fassen, dass sie zur Gänze oberirdisch geführt wird, und dass es dadurch nicht ständig zu Katastrophen kommt.