Mondnacht (Rainer Maria Rilke)

Mondnacht (Rainer Maria Rilke)

 

Süddeutsche Nacht, ganz breit im reifen Monde,

und mild wie aller Märchen Wiederkehr.

Vom Turme fallen viele Stunden schwer

in ihre Tiefen nieder wie ins Meer, –

und dann ein Rauschen und ein Ruf der Ronde,

und eine Weile bleibt das Schweigen leer;

und eine Geige dann (Gott weiß woher)

erwacht und sagt ganz langsam:

Eine Blonde

aus: Rainer Maria Rilke Die Gedichte, Insel Verlag 2015, Seite 318