Abschied von Armenien

Den Abschied von Armenien nahmen wir in Jerewan, seiner Hauptstadt. Wir hatten einen ganzen Tag zur freien Verfügung. Auf unserem Programm war nochmals „die Kaskade“ mit ihren Kunstwerken; ein unterirdisches Einkaufszentrum, wo historische Musikinstrumente ausgestellt sind; die Fußgängerzone; das Sergei Parajanov Museum; eine Moschee und die U-Bahn. Jerewan hat genau eine U-Linie, und die sind wir abgefahren. Der Heimflug nach Wien fand leider noch vor dem Sonnenaufgang statt, sodass die Fotos (bei wenig Licht gemacht) technisch suboptimal sind, mir gefallen sie aber trotzdem. Diese Reise wird mir mit Sicherheit als eine meiner schönsten in Erinnerung bleiben!

Zorakarer – das armenische „Stonehenge“

Zorakarer, auch Karahundsch genannt, ist ein bronzezeitliches Gräberfeld nahe der Stadt Sissian. Hier befinden sich ca. 30 Kammergräber, weiters Mauerreste einer Siedlung und 223 aufrecht stehende Felsbrocken (Megalithe). Etwa 40 dieser Felsbrocken aus Basalt bilden einen Kreis um das zentrale Steinkammergrab – ähnlich dem Stonehenge. Manche Megalithe weisen ein Loch auf, ob zum Transport gedacht oder für etwas ganz anderes ist unbekannt. Auf den letzten Fotos seht ihr einen Traktor, Schafe auf der Straße und die Gasleitung – diese Gasleitung durchzieht ganz Armenien, jedes Dorf und jede Stadt. Wir konnten es nicht fassen, dass sie zur Gänze oberirdisch geführt wird, und dass es dadurch nicht ständig zu Katastrophen kommt.

Kloster Sewanawank am Sewansee

Das Kloster Sewanawank stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde auf der Insel Sewanawank errichtet. Erst in der Sowjetzeit, als zu Bewässerungszwecken massiv Wasser aus dem See abgeleitet wurde, ist aus der Insel eine Halbinsel geworden. Für mich gehören der Sewansee und diese Klosteranlage zu den größten Höhepunkten der Armenienreise –  die Lage des Klosters und das Licht an diesem frühen Abend waren unglaublich schön! Auf dem letzten Foto (Paris, 1869, T. Deyrolle) seht ihr die Insel und das Kloster Sewanawank im 19. Jahrhundert.

Kloster Goschawank

Wir verlassen heute den Norden Armeniens und fahren in Richtung Süden. Vorbei an einem einzigartigen Dorf, bewohnt von einer russischen Sekte, die ohne Fernsehen und Internet lebt. Kurz schauen wir in einem Tierpark vorbei, und dann startet die Wanderung zum ersten Kloster dieses Tages, zum gut erhaltenen Gebäudekomplex von Goschawank. Erbaut wurde Goschawank im 12. bis 13. Jahrhundert, und das ehemalige Kloster beherbergt einige wunderbare Steinmetzarbeiten und den vielleicht schönsten Kreuzstein (Chatschkar) Armenines.

Wanderung zum Kloster Sanahin

Unsere erste größere Wanderung führte uns vom Kloster Haghpat zum Kloster Sanahin, auf einem alten Pilgerweg. Die beiden Klöster sind durch die tiefe Schlucht des Flußes Debed getrennt, die wir durchwandern mußten. Die ersten 3 Fotos sind mit dem Handy gemacht, da meine Kamera im Rucksack war, und das allererste zeigt das Kloster Haghpat aus einiger Entfernung. Die Klosteranlage Sanahin stammt aus dem 10. Jahrhundert und gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage Armeniens. Sie besteht aus 5 Kirchen, 2 Vorhallen (Gawits), einer Schule, Bibliothek, einem Glockenturm und dem Friedhof. Viele Chatschkare (Kreuzsteine/Gedenksteine) und mehrere Gräber von Bischöfen sind hier zu sehen. Und auch wenn sich diese spezielle Architektur der armenischen Klöster zu wiederholen scheint – ich war von jeder Kirche und jeder wundervollen Vorhalle ergriffen!

Haghpat – Klosteranlage aus dem 10. Jahrhundert

Das im 10. Jahrhundert erbaute Kloster Haghpat ist, wenn man von kleinen Renovierungen im 11. und 12. Jahrhundert absieht, im Originalzustand erhalten. Der Klosterkomplex besteht aus 8 Gebäuden – Kirche, Kapelle, Glockenturm, Bibliothek, Vorhalle … Die besonders große Vorhalle (Gawit) von Haghpat ist für mittelalterliche Kirchen Armeniens typisch. Sie diente für allgemeine Versammlungen der Gemeinde, für Unterrichtszwecke, Gerichtsverhandlungen und als Grabstätte. Der Boden der Vorhalle ist vollständig mit Grabplatten belegt. Wir nähern uns dem Kloster zu Fuß, und von hier wandern wir zum nächsten Kloster Sanahin auf einem alten Pilgerweg.

Historischer Friedhof in einem kurdischen Dorf

Auf der Fahrt von Jerewan nach Wanadsor im Norden Armeniens (in unser 2. Hotel) kamen wir durch die Provinz Aragazotn. Diese Hochebene ist heute überwiegend von kurdischen Jesiden bewohnt. In einem kleinen Dorf befindet sich direkt neben der Straße ein alter Friedhof mit wunderschönen Grabsteinen aus Basalt, die Schafe und Pferde darstellen. Sie sind Relikte der in vorislamischer Zeit aus Nordasien eingewanderten Turkvölker. Heute dienen sie den hier lebenden Kindern als Spielplatz. Die vor dem Haus gestapelten Dung-Quader werden verheizt, anderes Brennmaterial ist hier kaum zu finden. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass es in Armenien noch viel Armut gibt, auch weil das Land sehr hoch liegt, durchschnittlich auf 1800 m Seehöhe, und sehr gebirgig ist. In den größeren Städten beginnt aber der Wohlstand Einzug zu halten, und wirklich reiche Auslandsarmenier unterstützen ihre Heimat sehr großzügig.