Rainer Maria Rilke: Die Engel

Ich bin krank, Halsweh und Schnupfen, bleibe daher zuhause. Also habe ich Zeit für ein Gedicht – und das lasse ich auch euch gerne zukommen. Nicht sehr originell, vielleicht kennt ihr es schon – „Die Engel“

Sie haben alle müde Münde

und helle Seelen ohne Saum.

Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)

geht ihnen manchmal durch den Traum.

 

Fast gleichen sie einander alle;

in Gottes Gärten schweigen sie,

wie viele, viele Intervalle

in seiner Macht und Melodie.

 

Nur wenn sie ihre Flügel breiten,

sind sie die Wecker eines Winds:

als ginge Gott mit seinen weiten

Bildhauerhänden durch die Seiten

im dunklen Buch des Anbeginns.

 

Christian Morgenstern „Die Trichter“

 

Zum Abschied noch ein kleines Gedicht von Christian Morgenstern „Die Trichter“

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.

Durch ihres Rumpfs verengten Schacht

fließt weißes Mondlicht

still und heiter

auf ihren

Waldweg

u.s.

w.

Ich wünsche euch eine schöne Zeit und bis bald! Hania

Ernst Jandl : Familienfoto

FAMILIENFOTO

der vater hält sich gerade

die mutter hält sich gerade

der sohn hält sich gerade

der sohn hält sich gerade

der sohn hält sich gerade

der sohn hält sich gerade

der sohn hält sich gerade

die tochter hält sich gerade

die tochter hält sich gerade

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