Von der Stadt Goris zum Kloster Tatew

Unser nächstes Hotel war in der Stadt Goris, die ich am frühen Morgen ein wenig mit meiner Kamera durchstreifte. Danach ging es zum berühmtesten Kloster des Landes – zum Kloster Tatew aus dem 9. Jahrhundert. Seit 2010 kann das Kloster mit der Seilbahn Tatev in nur 11 Minuten erreicht werden. Sie ist mit 5750 Metern die längste mit einem durchgehenden Tragseil gebaute Pendelbahn der Welt. Auch wir sind mit ihr über die Schlucht zum Kloster geschwebt, und ihr seht auch Fotos, die aus der Gondel aufgenommen wurden. Zu dem eher klein wirkenden Kloster unten in der Schlucht sind wir auf einem alten Pilgerweg gewandert (eigener Beitrag). Sowohl Tatew, die Wanderung selbst, als auch das verlassene Kloster im Tal haben uns sehr gut gefallen!

Chndsoresk

Chndsoresk ist ein uraltes Höhlendorf, im malerischen Tal unterhalb des neuen Dorfes gelegen. Es ist wegen seiner bizarren Felsformationen und zahlreichen Höhlen, von denen einige bis Mitte des 20. Jahrhunderts bewohnt waren, sehenswert. Neben Gebäuderuinen aus dem 19. Jahrhundert sind noch die Hripsime-Kirche (dreischiffige Basilika aus dem 17. Jahrhundert), eine einschiffige Kirche und die Ruinen einer Einsiedelei erhalten. Man sagt, dass das Dorf in früheren Zeiten Khor Dzor (tiefer Graben) oder Khordzoresk hieß, weil es in einer tiefen Schlucht lag. Über diese Schlucht führt seit 2012 eine Hängebrücke. Diese zu überqueren war nicht ganz einfach – der Blick hinunter macht schwindelig, und der „Gegenverkehr“ erfordert geschicktes Schlichten auf der schmalen Brücke. Ja, und Gegenverkehr auf den Straßen Armeniens sind oft Viehherden!

Zorakarer – das armenische „Stonehenge“

Zorakarer, auch Karahundsch genannt, ist ein bronzezeitliches Gräberfeld nahe der Stadt Sissian. Hier befinden sich ca. 30 Kammergräber, weiters Mauerreste einer Siedlung und 223 aufrecht stehende Felsbrocken (Megalithe). Etwa 40 dieser Felsbrocken aus Basalt bilden einen Kreis um das zentrale Steinkammergrab – ähnlich dem Stonehenge. Manche Megalithe weisen ein Loch auf, ob zum Transport gedacht oder für etwas ganz anderes ist unbekannt. Auf den letzten Fotos seht ihr einen Traktor, Schafe auf der Straße und die Gasleitung – diese Gasleitung durchzieht ganz Armenien, jedes Dorf und jede Stadt. Wir konnten es nicht fassen, dass sie zur Gänze oberirdisch geführt wird, und dass es dadurch nicht ständig zu Katastrophen kommt.

Mittelalterliche Karawanserei am Selim-Pass

Die Weiterfahrt in den Süden Armeniens führte uns über den Selim-Pass (2.410m) zu einer Karawanserei aus dem 14. Jahrhundert. Sie ist eine der wichtigsten Karawansereien des mittelalterlichen Armeniens und die berühmteste. Im 15. bis 16. Jahrhundert wurde sie zerstört und erst 1956-1959 wieder aufgebaut. Heute ist diese Karawanserei die best erhaltene Armeniens. Vom Selim-Pass eröffnet sich ein unglaublich schöner Ausblick auf das Land! Und hier konnte ich nicht widerstehen, bei Bauern aus der Umgebung regionale Produkte einzukaufen: Honig und die traditionellen Aprikosen-Süßigkeiten.

Friedhof von Noratus

Vom Sewansee ging unsere Reise in den Süden Armeniens, nach Goris. Die erste Sehenswürdigkeit des Tages war der Friedhof von Noratus – ein mittelalterliches Gräberfeld nahe dem Dorf Noratus. Mit seinen rund 900 Chatschkaren (Kreuzsteinen) beherbergt er das weltweit größte Chatschkarenfeld.

Am Sewansee

Unser Hotel lag direkt am wunderschönen Sewansee, der als das Meer der Armenier gilt. Er ist der größte Süßwassersee Armeniens und des ganzen Kaukasus, und liegt auf 1900 m Seehöhe. Zu Sowjetzeiten wurde sehr viel Wasser abgelassen, und um den Wasserspiegel wieder zu erhöhen, mußten 2 Tunnels errichtet werden, über die Wasser aus anderen Seen zugeleitet wird. Heute ist der Wasserpegel des Sewansees stabil bis leicht steigend, und im Sommer boomt hier der Bade-Tourismus. Die ersten 3 Fotos sind am Abend unserer Ankunft entstanden, die restlichen früh am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang und danach. Ihr seht einen Kormoran und Fischreiher im Flug, sowie Haubentaucher und Möwen im Wasser und in der Luft.

Kloster Sewanawank am Sewansee

Das Kloster Sewanawank stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde auf der Insel Sewanawank errichtet. Erst in der Sowjetzeit, als zu Bewässerungszwecken massiv Wasser aus dem See abgeleitet wurde, ist aus der Insel eine Halbinsel geworden. Für mich gehören der Sewansee und diese Klosteranlage zu den größten Höhepunkten der Armenienreise –  die Lage des Klosters und das Licht an diesem frühen Abend waren unglaublich schön! Auf dem letzten Foto (Paris, 1869, T. Deyrolle) seht ihr die Insel und das Kloster Sewanawank im 19. Jahrhundert.